Soft Proofing mit FOGRA 27

Wenn Ihnen die Farbkontrolle in Ihren Büchern wichtig ist, dürfte es auf jeden Fall interessant für Sie sein, Ihre Buchseiten in Fogra 27 umzuwandeln. Denken Sie daran, dass Ihre Standard sRGB-Seiten in 95 % der Bearbeitungszeit toll aussehen, aber gelegentlich kann es zu Problemen kommen - das ist ein bisschen so, als würde ein Schwede mit einem Norweger sprechen. Es ist also besser, all Ihre Seiten in Fogra 27 umzuwandeln, statt sie in sRGB abzuschicken. Noch einmal: Die meiste Zeit funktioniert es wunderbar und ich habe selbst viele Bücher mit hervorragenden Ergebnissen hergestellt. Aber bestimmte Farben, z. B. stark gesättigtes Blau, können auf den meisten Druckern nicht korrekt reproduziert werden, und dazu gehören auch die von Pixopolis eingesetzten Druckmaschinen. Für Bilder mit solchen Farben verwenden Sie am besten eine Technik namens Soft Proofing, mit deren Hilfe Sie (a) sehen, wie das Bild auf Papier aussehen würde; (b) sehen, in welchem Teil Ihres Bildes Farben sind, die nicht reproduziert werden können und (c) Ihr Bild anpassen können, um Überraschungen zu vermeiden.

Wenn Sie sich mit der Farblehre auskennen, können Sie den nächsten Abschnitt gern überspringen und weiterlesen im Abschnitt über Soft Proofing, wo Ihnen erklärt wird, wie Sie Photoshop für Soft Proofing mit dem Fogra 27 Profil einrichten.

Zuerst definieren wir ein paar Begriffe.
Ein Farbraum legt einfach die Menge an Farben fest, die ein Monitor oder Drucker anzeigen kann. Manche Farbräume, wie z. B. Fogra 27, sind auf eine bestimmte Maschine eingestellt - im Fall von Fogra 27 auf die von Pixopolis eingesetzten Drucker. Andere Farbräume wie sRGB oder AdobeRGB sind geräteunabhängig und werden zum einheitlichen Bearbeiten auf verschiedenen Computern verwendet.

Ein Farbprofil ist eine kleine Signatur, eingebettet in ein Bild, die beschreibt, wie die Farben im Farbraum eines Druckers oder Displays korrekt dargestellt werden. Wenn Sie mit Ihrer Kamera ein Bild machen, kann ein Pixel mit den Werten Rot=200, Grün=150, Blau=220 gespeichert werden. Aber solche Werte sind bedeutungslos, so lange wir nicht festlegen, was Rot, Grün und Blau wirklich sind. Es ist ein bisschen so, als würde ich die Entfernung zwischen zwei Häusern in meiner Straße mit 420 Fingern angeben, ohne dazuzusagen, wie viel ein „Finger" ist. Deshalb hinterlegt Ihre Kamera ein Farbprofil (normalerweise sRGB, AdobeRGB oder ProPhoto) in Ihrem JPEG-Bild. Ohne dieses Profil weiß Photoshop nicht, wie die Pixelwerte in Ihrem JPEG-Bild interpretiert werden sollen und wird Sie bitten, ein Farbprofil zu dem Bild hinzuzufügen.

 

 

Rechts sehen Sie das hufeisenförmige CIE Chromatizitätsdiagramm. Das ist der internationale Standard, um Farben zu beschreiben, ungefähr so wie Kilometer benutzt werden, um Entfernungen zu beschreiben. Für unsere Zwecke können wir davon ausgehen, dass das CIE Diagramm alle Farben enthält. (Eigentlich zeigt das Diagramm keine Helligkeitsvariationen, weshalb Braun - eine dunklere Version von Orange - nicht im Diagramm vorkommt.)

Innerhalb des CIE Farbraums gibt es ein paar kleine Farbräume, deren Namen Ihnen bekannt vorkommen werden. Der Adobe RGB Farbraum wird zum Beispiel definiert, indem Werte (CIE Koordinaten) für Rot, Grün und Blau ausgewählt werden, die dann ein Dreieck mit allen möglichen AdobeRGB-Farben ergeben. Diese Dreiecke werden auch Skala genannt.

Der sRGB Farbraum ist ein kleinerer Farbraum, was bedeutet, dass es Farben gibt, die in AdobeRGB dargestellt werden können, aber nicht in sRGB. Viele Computermonitore haben Farbräume nah an sRGB, wobei einige teurere Modelle den gesamten Adobe RGB Farbraum darstellen können. Deshalb kann es passieren, dass für Sie die Farben außerhalb des AdobeRGB Farbraums alle gleich aussehen - immerhin schauen Sie auf das CIE Diagramm auf einem Gerät, das keine Farben außerhalb des AdobeRGB Farbraums darstellen kann!

 

Das 2200 Matt Paper ist ein typischer CMYK-Farbraum für einen Drucker und wahrscheinlich nicht viel anders als Fogra 27. (Wie Sie vielleicht wissen, verwenden Drucker Cyan (C), Magenta (M) und Gelb (Y für Yellow), um Farben zu mischen, deshalb der Name CMY. Der letzte Buchstabe K steht für Schwarz und ist dazu da, dass der Drucker nicht Cyan, Magenta und Gelb in gleichen Anteilen mischen muss, um verschiedene Schattierungen von Grau zu erzielen - einer sehr häufig vorkommenden Farbe.) Wenn Sie jetzt auf den 2200 Matt Paper Farbraum schauen, sollten Sie verstanden haben, dass es einige Farben gibt, die auf Ihrem Monitor dargestellt werden können, die aber nicht auf einem Drucker gedruckt werden können. Genau da liegt das Problem: Bestimmte Bilder mit einem tiefen Blau oder Grün sehen großartig auf dem Bildschirm aus, aber der Drucker mit seinem kleineren Farbraum kann sie nicht akkurat wiedergeben. Sie hören manchmal Begriffe wie skalenfremde Farben, womit all die RGB-Farben gemeint sind, die nicht auf einem bestimmten Gerät, wie einem Drucker, wiedergegeben werden können.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit skalenfremden Farben umzugehen und diese Strategien werden als Rendering Intent bezeichnet: Wenn ein Bild von RGB zu CMYK umgewandelt wird, haben nicht alle Farben im Ursprungsfarbraum eine entsprechende CMYK-Farbe und müssen deshalb in eine andere Farbe übersetzt werden. Wir beschreiben nun kurz zwei solcher für Fotografen nützlichen Rendering Intents: relativ kolorimetrisch und perzeptuell (wahrnehmend).

Relative Kolorimetrie verändert nicht das Erscheinungsbild von Farben innerhalb der Skala. Skalenfremde Farben hingegen werden in die nächstmögliche Farbe des Ziel-CMYK-Farbraums übersetzt. (Wir definieren nicht die Bedeutung von „nächstmöglich" in diesem Tutorial.) Mit anderen Worten, wenn eine Farbe nicht gedruckt werden kann, verwenden Sie eine reproduzierbare Farbe, die dieser am nächsten kommt, z. B. gerade noch innerhalb des Zielfarbraums. Beachten Sie, dass es eine Menge Farben an der „Grenze" des Zielfarbraums gibt und dass Abstufungen im RGB Bild verlorengehen können.

Der perzeptuelle Lösungsansatz komprimiert den gesamten Farbraum in den Zielfarbraum, wobei die individuelle Beziehung der Farben im Bild untereinander beibehalten wird. Die exakte Umwandlung hängt ab vom CMM (Color Management Modul), von dem es verschiedene gibt, z. B. von Adobe ACE, Apple ColorSync, Microsoft ICM etc.
Welcher Rendering Intent ist der beste? Das hängt von Ihrem Bild ab. Wenn es keine skalenfremden Farben in Ihrem Bild gibt, wird dessen Erscheinungsbild durch die relative Kolorimetrie nicht verändert. Deshalb empfehlen wir Ihnen, die relative Kolorimetrie als Ihren Rendering Intent zu verwenden. Bei Bildern mit intensiven Farben, z. B. bei strahlenden Sonnenuntergängen, mag die perzeptuelle Variante die bessere sein. Wir empfehlen Ihnen den Einsatz von Soft Proofing, um zu sehen, ob perzeptuelles Rendering in diesen Fällen eine bessere Umwandlung ergibt.

Fassen wir das Gesagte noch einmal zusammen: Wir können schlussfolgern, dass der Schlüssel zu guten Druckergebnissen darin liegt, mit einem RGB-Bild ohne skalenfremde Farben zu starten und - falls das nicht möglich ist - einen Rendering Intent zu verwenden, der Ihr Bild problemlos umwandelt.

 

Soft Proofing
Mit Soft Proofing erhalten Sie eine Vorschau Ihres Bildes, wie es auf Papier aussehen wird. Mit dieser Vorschau können wir in der Regel das RGB-Bild so anpassen, dass es zu den technischen Gegebenheiten des Druckers passt. Beachten Sie bitte, dass wir das RGB-Bild anpassen, so dass die anschließende CMYK-Umwandlung in etwa genauso aussieht. Wir versuchen nicht, das umgewandelte CMYk-Bild anzupassen, um dem ursprünglichen RGB-Bild nahe zu kommen.

Um Soft Proofing verwenden zu können, müssen Sie Zugriff auf das Fogra 27 ICC Profil haben. Versuchen Sie, Europe ISO Coated FOGRA27 im CMYK-Dropdown-Menü unter Bearbeiten>Farbeinstellungen Ihres Photoshop-Programms zu finden. Wenn Fogra 27 nicht in der Liste erscheint, können Sie es hier herunterladen:

www.pixbookdesign.com/FOGRA27.

Speichern Sie das ICC Profil in C:\WINDOWS\system32\spool\drivers\color auf einem Windows-Rechner und in Library/ColorSync/Profiles auf einem Mac. Um die Änderung zu sehen, müssen Sie Photoshop neu starten. Sie benötigen auch ein Gerät zur Justierung Ihres Monitors, zum Beispiel Gretag Macbeth's Eye-One. Ohne einen feinjustierten Monitor ist der Einsatz von Soft Proofing ziemlich sinnlos.

 

Schritt 1: Farbeinstellungen

In Photoshop wählen Sie wieder Bearbeiten>Farbeinstellungen und klicken auf Mehr Optionen. Stellen Sie sicher, dass Ihre Einstellungen mit denen auf dem Bild rechts übereinstimmen.
Die Grau-Einstellung ändern Sie, indem Sie zunächst auf Grau klicken, dann auf Graustufen-Einstellungen laden. Wählen Sie dann das Fogra 27 Profil aus. Wenn Sie alle Einstellungen vorgenommen haben, können Sie sie unter dem Namen Pixopolis speichern, wenn Sie möchten.

 

 

 

 

 

Schritt 2: Das Soft Proofing Profi

Stellen Sie zunächst sicher, dass alle Photoshop-Dokumente geschlossen sind. Wählen Sie dann im Menü Ansicht>Proof einrichten>Benutzerdefiniert.

Stellen Sie sicher, dass Ihre Einstellungen mit denen auf dem Bild rechts übereinstimmen. Wir empfehlen, die Anzeigeoption „Papierfarbe simulieren" nicht zu aktivieren, weil wir denken, dass die Vorschau allzu pessimistisch aussieht und Ihr Bild irgendwie ausgewaschen wirkt. Aber probieren Sie es gern, wenn Sie möchten. Unser Tipp: Entfernen Sie zuerst alles, was weiß ist, vom Monitor (Menüs etc.), so dass der hellste Teil in Ihrem Bild ist. Schauen Sie auch weg, während Sie die Box ankreuzen, um Ihren Augen die Chance zu geben, sich an die Veränderung zu gewöhnen.
Speichern Sie Ihr Profil unter dem Namen Pixopolis, so dass Sie es in Zukunft leicht wiederfinden, wenn Sie es unter Ansicht>Proof einrichten auswählen möchten.

 

 

Schritt 3: Bilder anpassen

Natürlich ist es möglich, Ihre Buchseiten anzupassen, nachdem Sie sie gestaltet haben. Wir denken jedoch, dass es viel besser ist, die Bilder einzeln zu bearbeiten, bevor Sie Ihr Buch designen. Drei Vorteile sprechen dafür:


1. Wenn Sie Ihr Buch noch einmal komplett neu gestalten wollen, müssen Sie die Seite nicht noch einmal anpassen.

2. Die Anpassung ganzer Seiten kann sich auf andere Bilder auf der gleichen Seite auswirken.

3. Im Buchdesign, ist jedes Ihrer Bilder ein Smart Objekt und bietet nur begrenzte Anpassungsmöglichkeiten.

Öffnen Sie also ein Bild, das Sie in Ihrem Buch verwenden wollen. Das Beispiel rechts hat einige gesättigte grüne Farben im Himmel, was einem akkuraten Druck Schwierigkeiten bereiten würde. Folgen Sie nun diesen Schritten:

1. Wählen Sie Bild>Duplizieren

2. Wählen Sie Fenster>Anordnen>Nebeneinander

3. Wählen Sie das Originalbild.

4. Wählen Sie Ansicht>Proof einrichten>Pixopolis

Drücken Sie Cmd-Y (oder Strg-Y auf einem PC) und Sie sehen, dass sich das Bild (im Monitorbild unten links) etwas verändert. Wenn Sie das mit Ihren eigenen Bildern machen, werden Sie feststellen, dass das Bild flacher aussieht, weniger Sättigung hat, dass die Kontraste weniger sind etc. Jedes Bild wird sich auf andere Weise verändern.

 

 

Soft Vorschau: Druckvorschau (links) und RGB-Bild Kopie (rechts)

Wir können jetzt tatsächlich sehen, wie die Farbskala des Originalbildes (rechts) beim Druck komprimiert wird (links). Wenn Sie ein Bild mit wirklich satten Grün- und Blautönen haben, kann das Ergebnis dieser Komprimierung ziemlich deprimierend ausfallen. Tatsächlich haben wir festgestellt, dass Bilder immer ein bisschen besser gedruckt werden, als man denkt, aber es ist immer eine gute Idee, das vorher zu überprüfen. Mit Cmd-Y (Strg-Y auf dem PC) wechseln Sie zwischen der Vorschau und dem Originalbild hin und her - in der Titelleiste des Fensters sehen Sie, in welchem Status Sie sich gerade befinden.

Außerdem können Sie Shift-Cmd-Y (Shift-Strg-Y auf dem PC) drücken und erhalten eine Skalenwarnung. Sie erhalten dieselbe Skalenwarnung, egal ob Sie in der Softvorschau sind oder nicht. Bei der Skalenwarnung werden alle nicht druckbaren Bereiche grau markiert. Drücken Sie die Tastenkombination noch einmal, um die Anzeige auszuschalten.

 

Schritt 4: Bildanpassung

Der letzte Schritt dient dazu, das RGB-Bild so anzupassen, dass das gedruckte Bild möglichst genauso aussieht. Stellen Sie sicher, dass Sie das Originalbild (links) ausgewählt haben und nicht die Kopie. Die Kopie dient als Referenz.

Eine einfache Anpassung kann man über Bild>Anpassungen>Farbton/Sättigung machen, wo man die Grüntöne auswählt und die Sättigung reduziert; Sie sehen, dass die Skalenwarnung verschwindet. Sie können mit Stufen, Kurven, Sättigung herumspielen - vorzugsweise auf einer Anpassungsebene - und versuchen, die Bildkopie zu treffen. Wahrscheinlich werden Sie keinen 100%igen Erfolg haben, aber Ihr Bild wird eine viel bessere Druckqualität haben als ohne Anpassungen.

 

Schritt 5: Stapelverarbeitung der Seiten

Wenn Ihr Buch fertiggestellt ist, können Sie problemlos alle Seiten von sRGB nach Fogra 27 umwandeln. Wie das geht, steht in den FAQ. Beachten Sie, dass die Fogra 27 Aktion, die in der Stapelverarbeitung verwendet wird, ein relativ kolorimetrisches Rendering durchführt. Wenn Sie finden, dass perzeptuell besser passt, dann müssen Sie diese Seiten einzelnen umwandeln. Wenn eines Ihrer Bilder perzeptuelles Rendering benötigt, sind alle anderen Bilder auf dieser Seite auch betroffen.